Weiche Bruggerhorn

Die «falsche» Weiche beim Bruggerhorn
Der Einsatz von Eisenbahn Panzerzügen war ein taktisches Mittel, das die Deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg immer dann einsetzte, wenn es darum ging, ein Nachbarland überfallmässig zu besetzen. Die mit Artillerie, Maschinengewehren und leichter Fliegerabwehr armierten Panzerzüge hatten die Aufgabe, feindliche Grenzbahnhöfe überraschend in Besitz zu nehmen und solange zu halten, bis nachfolgende Truppen eintrafen.
Diese Methode kam in Polen, Holland, Belgien, Dänemark und Russland mit wechselndem Erfolg zur Anwendung.

Die Eisenbahnbrücke im Rheinvorland beim Bruggerhorn St. Margrethen

Bahnfahrt ins Abseits
Da im Abschnitt der Festung Heldsberg die Bahnlinie Lustenau – St. Margrethen liegt, war zu befürchten, dass im Ernstfall auch hier ein solcher Angriff erfolgen könnte. Deshalb wurde in Zusammenarbeit mit der SBB beim Bruggerhorn im Bahngeleise eine Weiche eingebaut, die über den Bahndamm ins Abseits geführt hätte. Zusätzlich wäre es möglich gewesen, den entgleisten Zug mit dem Mg 4 aus der Festung Heldsberg unter Feuer zu nehmen. Die besagte Weiche blieb bis in die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts intakt und wurde mehrmals übungshalber «scharf» gemacht.

Diese bei der Festung Heldsberg ausgestellte Anlage war für den Abschnitt Lustenau – St. Margrethen vorgesehen.

Entgleisungsanlage
Kohle aus dem Ruhrgebiet

Das ehemalige Gaswerk St. Margrethen versorgte die gesamte Region mit Leucht- und Kochgas. In vielen Haushalten stand ein Gasherd. Elektroherde waren in privaten Küchen unbekannt. Leuchtgas wurde aus Steinkohle gewonnen. Diese kam ausnahmslos aus dem Ruhrgebiet. In der Regel erfolgte die Lieferung mittels eines wöchentlichen Kohlenzugs via Lustenau – St. Margrethen. Zum Teil bedingt durch kriegerische Ereignisse in Deutschland, in unregelmässigen Abständen. Aus Gründen der Sicherheit mussten die Züge jeweils zwölf Stunden vorher vom Bahnhof Lustenau telefonisch nach St. Margrethen gemeldet werden.

Bunker bei der falschen Weiche. Feuerschutz war gewährleistet mit einem Maschinengewehr der Festung Heldsberg. Weil die Eisenbahnbrücke anfangs der 50er Jahre wegen des Hochwasserschutzes um ca. 80 cm erhöht wurde, «versank» der Bunker im Erdreich!

Grossalarm am 14. Mai 1940
In der Nacht des Pfingstmontags 1940 wurde auf Schweizer Seite Grossalarm ausgelöst, da aufgrund von Falschinformationen angenommen wurde, ein Angriff aus Deutschland stehe unmittelbar bevor. Ausgerechnet in dieser ohnehin bis zum Äussersten angespannten Lage traf ein Anruf der Deutschen Reichsbahn ein, der erwartete Kohlenzug treffe innerhalb von zwei (statt wie üblich zwölf) Stunden ein. Seitens der SBB wurde dies dem Kommando Heldsberg sofort übermittelt. Die Reaktion erfolgte augenblicklich. Das voraus bestimmte Detachement stellte die Weiche um. Zusätzlich ging ein Infanteriezug der Aussenverteidigung, reichlich mit Handgranaten versehen, beidseitig des Bahndamms in Deckung und harrte der Dinge, die kommen sollten. Tatsächlich erschien kurz nach Mitternacht ein Eisenbahnzug und näherte sich der gefährlichen Stelle. Ein Freiwilliger, Korporal Fritz Zimmermann aus Staad (+ 2007) stellte sich auf den Schienenstrang und machte mit einer Eisenbahnerlaterne kreisende Bewegungen. Der Zug hielt an – es war zum Glück der Kohlenzug (und kein Panzerzug)! Ein Modell der Eisenbahnanlage mit einem Panzerzug ist im Festungsmuseum Heldsberg zu sehen.

Modell eines Panzerzuges im Rheinvorland mit der falschen Weiche beim Bruggerhorn

Hochwasserschutz verlangt nach neuer Brücke
Hochwasserschutz bleibt im Rheintal nach wie vor ein wichtiges Anliegen. An der heutigen ÖBB – Brücke bleibt angeschwemmtes Material an der Fachwerkkonstruktion leicht hängen und löst damit einen Rückstau aus, der zu einer Überströmung der Hochwasserdämme und letztlich zu einem Dammbruch führen könnte. Obwohl die Brücke 1957 auf 405,85 m über Meer angehoben wurde, blieb sie immer noch 80 cm unter den Vorgaben des Staatsvertrages von 1954. Nach neueren Erkenntnissen gewährleistet nur eine Anhebung um rund 2 m den Hochwasserschutz. Wien hat aber noch kein grünes Licht dafür gegeben. Geplant ist der Bau einer modernen Bogenbrücke, welche rund 12 m oberhalb der heutigen Eisenbahnbrücke erstellt werden soll. Damit verschwindet ein weiterer Zeuge aus dem 2. Weltkrieg, der von der Schweizer Armee als Grenzübergang gut bewacht wurde.