Notstrom-Dieselgeneratoren

Notstrom – Dieselgenerator
Die beiden Dieselgeneratoren waren am 27. April 1940 fertig eingebaut und betriebsbereit. Bei den Motoren handelt es sich um Schiffsdieselmotoren der Firma Sulzer. Diese bewährten sich durch ihre tieftourige Drehzahl, was unter anderem Lärmemissionen und Treibstoff einsparen liess.

Der Motortyp ist aus der ZG Reihe, hier im Heldsberg der 4ZG9:
4 = 4 Zylinder
Z = Zweitaktmotor
G = Gegenläufige Kolben
9 = 9 cm Zylinderdurchmesser
Dies ist ein 2 Taktmotor mit horizontalen Zylindern. In jedem der 4 Zylinder arbeiten 2 gegenläufige Kolben. Die Leistung beträgt ca. 80 PS oder umgerechnet auf den Generator ca. 50 kW.

Die Kühlung ist mittels Wasser und Luft sichergestellt. Man spricht hier von einer sogenannten Umlaufkühlung. Mit einer Pumpe wird das Wasser vom Kühlwassertank durch den Motor gepumpt, erhitzt sich und wird dann mittels Wabenkühler (Prinzip Automobilkühler) durch Ansaugen von kalter Luft durch die Ventilation wieder abgekühlt und läuft wieder in den Kühlwassertank zurück. Die Abwärme wird direkt genutzt, um die Festung zu beheizen.

Der Motor besitzt einen elektrischen Anlasser, welcher mit einer 24 V Batterie betrieben wird. Somit kann der Motor auch ohne Netzstrom gestartet werden. Durch den Einbau von Zündlunten könnte der Motor zudem gestartet werden, was im Notfall unverzichtbar ist.

Die Festung Heldsberg besitzt einen Dieselvorrat von total 15`000 Liter. Der Vorrat ist in 3 Tanks mit je 5’000 Liter eingelagert. Hiervon werden die beiden Tagestanks mit einem Fassungsvermögen von je 120 Liter gefüllt. Die direkte Treibstoffversorgung der Motoren erfolgt ab Tagestank. Der Dieselvorrat reicht bei Vollbetrieb für ungefähr 40 Tage.

Die Abgase werden über ein umfangreiches Rohrsystem nach aussen geführt. Dabei dient der Kamin des Eingang-Tarngebäudes als Auspuff.

Oben zwischen den beiden Dieselgeneratoren befindet sich der Kühlwassertank, daneben die beiden Tagestanks mit je 120 Liter Diesel. Darunter ist der Lüftungskanal mit dem Wabenkühler. Mit dem erhitzten Kühlwasser wird die Festung geheizt.

Die beiden Generatoren weisen eine Leistung von je ca. 50 kW (400/230 Volt) auf.
Die Netzfrequenz von 50 Hertz muss manuell über das Handgas eingependelt werden.

Anfangs genügte eine Notstromgruppe um die gesamte Festungsanlage mit elektrischem Strom zu versorgen. Durch spätere Änderungen, wie z.B. durch den Einbau von neuen Kippheizkesseln in der Küche, welche mehr Strom benötigten, war dies jedoch nicht mehr möglich. Die beiden Generatoren können nämlich nicht miteinander synchronisiert werden.

In den 80er Jahren erlitt der Diesel 2 (Original Nr. 380) einen Generatorenschaden. Aufgrund der bevorstehenden Deklassierung der Festung Heldsberg und den Sparmassnahmen der Armee wurde die gesamte Notstromgruppe 2 ausgebaut und verschrottet. Ab diesem Zeitpunkt stand nur noch der Diesel 1 zur Verfügung. Der Verein Festungsmuseum Heldsberg konnte im Jahr 1995 eine ähnliche Notstromgruppe jedoch mit einen MFO-Generator aus einem anderen deklassierten Werk übernehmen und baute diesen in Eigenregie und unzähligen Frondienststunden im Heldsberg ein.

Das Festungsmuseum Heldsberg pflegt und unterhält die Dieselgeneratoren, damit sie der Nachwelt in gutem betriebsbereitem Zustand erhalten bleiben. Regelmässig werden sie in Betrieb genommen und sind auch heute noch in der Lage, den benötigten Strom für das umfangreiche Festungswerk zu produzieren.
Das Museum Heldsberg hat jährliche Stromkosten von ca. 18‘000 Franken für Beleuchtung, Frischluftversorgung, Entfeuchtung, Heizung, Restaurantbetrieb usw.

Diesel 1 (Nr. 281) mit BBC Generator
Diesel 1 (Nr. 281) mit BBC Generator
Diesel 2 (Nr. 376) mit MFO Generator
Diesel 2 (Nr. 376) mit MFO Generator
MotorenDiesel 1 (Nr. 281)Diesel 2 (Nr. 376)
MotorherstellerSulzerSulzer
Typ / Bezeichnung4ZG94ZG9
Jahrgang19381940/1942
Im Heldsberg seit27. April 19401995
TreibstoffDieselDiesel
Verbrauchca. 15 Liter / Stundeca. 15 Liter / Stunde
Betriebsstundenca. 5’070ca. 4’790
Gewicht des Blocks1’450 kg1’450 kg
Material des BlocksGussGuss
Zylinderdurchmesser90 mm90 mm
Hubvolumen6.12 Liter6.12 Liter
GeneratorBBC (Brown Boveri & Cie)MFO (Maschinenfabrik Oerlikon)
Leistungca. 80 PS / 50 kW (400 / 230 V)ca. 80 PS / 50 kW (400 / 230 V)

 

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